
Diese Nacht habe ich geträumt. Da sprang ein Fiink ganz in der Nähe von Ast zu Ast eines kleinen Busches und sogar ins kurze, grüne Gras kurz vor mir. Das wäre keiner Erwähnung wert, wenn ich nicht feststellen müsste, dass die Permanenz des schwarz-rot-goldenen Fahnenmeers mein Unterbewusstsein okkupiert haben muss. Denn dieser Fink von Gestalt eines Spatzes und der Größe eines Dompfaffs hatte auf dem Kopf eine schwarze Mütze wie eine Kohlmeise, in Höhe der Augen formte sich ein rotes Band um den ganzen Kopf und darunter und um den Hals erstrahlte er in einem satten Gelb. Die Flügel waren wieder schwarz, die Brust hatte noch einen roten Fleck, der übrige Körper war gelb und die Beine und Füße wieder rot.
Welche Folgen wird die Fahnenzeigerei noch auf mich/uns haben? Bei mir hat das Fahnenmeer schon das Unterbewusstsein erreicht. Da lässt es sich nicht so ohne Weiteres verdrängen. Kann das bis hin zum Patriotismus manipuliert werden? Bei mir nicht. Das weiß ich. Aber gilt das allgemein?
So funktioniert ja auch manche Werbung. Wiederholung bis zum Erbrechen und siehe da, steter Tropfen höhlt den Stein und ein Fußball-Fink wird zu einem Nationalfink und Viele sind’s zufrieden.
Greifweg - Düsseldorf-Oberkassel
Bei diesem heißen, strahlenden Sommerwetter eine Regenrinne ins Spiel zu bringen erscheint sicher etwa absurd. (Außer in
Berlin. Das wegen der
traurigen Politik) Doch die hier abgebildete Regenrinne dient gar nicht dazu, überschüssiges Regenwasser abzuleiten, sondern der Stabilisierung einer zwar verwegenen aber dennoch sinnvollen Dachkonstruktion. Auch hier erweist sich die Kehle einer Dachrinne als äußerst effektvoll, macht sie doch ein simples Stück verzinkten Blechs in grandioser Weise zu etwas Stabilem und dieses Stück Blech in geradezu genialer Weise zu einem sinnvoll eingesetzten, tragenden Element. So integriert sich eine Regenrinne congenial in eine Dachkonstruktion, deren herausragendes Merkmal es ist, aus Materialien erbaut zu sein, die so herumliegen, die man, wenn man sich in der richtigen Gegend bewegt, im Vorübergehen findet.. Außer Arbeit und ein ganz klein wenig Hirnschmalz hat dieses Dach nichts gekostet. So lebt es sich seitwärts von Hartz IV.
Klüngel, - mhd. klüngel, klungel, klungelln – ahd. clungilln (Knäulchen) als Verkleinerungsform von clunga (Knäuel) - , Korruption, Vitamin B und Filz sind zwar nicht deckungsgleich aber affin. Die manchmal im positiven Sinn Verwaltungsstrukturen umgehende und deshalb Ergebnisse beschleunigende Form des rheinischen Klüngels wird gerne mit Köln in einem Atemzug genannt. Das heißt dann -Kölscher Klüngel.
Die Gründe hierfür sind zweierlei. Zum einen sind sie sprachlicher Natur und zum anderen strukturbedingt.
Der sprachliche Teil erschöpft sich nicht darin, dass die Worte Köln und Klüngel beide mit K anfangen. Das spricht sich gut und prägt sich ein. So entsteht ein "geflügelter" Begriff. Der Ausdruck ‚Klüngel‘ breitete sich lt. Duden im 19. Jahrh. auch vom Raum Köln aus.
Der strukturelle scheint mir darin zu liegen, dass Köln nicht in größerem Maße über jene, andere Städte letztendlich dominierende Oberschicht verfügt. In Köln treffen sich eher Hinz und Kunz (Tünnes und Schäl) und machen das irgendwie. Ihnen fehlt die andern Orts schon tradierte Form der gehobenen Korruption, die dann auch innerhalb aller Kontrollgremien abgesichert ist, so dass kaum etwas nach Außen dringt, da wo als honorig angesehene Personen handeln.
Im Rheinland spielt man dieses Spiel gerne in Vereinen. Das beginnt bei Karnevals- und Brauchtumsvereinen (beides eine sehr ernste Sache) und endet in noblen Tennis-, Yacht-, Industrie- und Golfclubs. Die dort getroffenen Abreden erscheinen völlig unspektakulär. Sie dringen nicht etwa nicht nach Außen, weil dort Geheimhaltung vereinbart wurde. Nein, sie dringen nicht nach Außen, weil man mit diesem Außen gar nicht kommuniziert. Hinzu kommt, dass die klüngelnden Personen keinerlei Unrechtsbewusstsein haben. Für sie sind solche Absprachen die natürlichste Sache der Welt. Und da die dort handelnden Personen allgemein anerkannt sind und geschätzt werden, fragt auch niemand. Auch im Norden in den Hansestädten hat diese Form, Übereinkünfte zu treffen, eine große und angesehene Tradition.
Die Vermittlung nach Außen übernehmen die Medien. Dort ist man entweder ebenfalls vertreten oder aber man weiß die Medienvertreter vorzüglichst zu behandeln. Man weiß auch seit alters her, wie man ein Faktum in eine Nachricht verändert verwandelt.
Köln hat also lediglich Pech. Vergleichbar ist nur Berlin, das ja so ähnlich dilettantisch strukturiert ist oder zumindest war, bevor jetzt eine Anzahl wichtiger und erfahrener Leute, Politiker/innen und Firmen das Terrain übernehmen und aus Klüngel Korruption machen und diese zum Machterhalt nutzen. Klüngel gibt es überall und das reichlich. Gibt es eigentlich ein bayrisches Wort dafür? Da blüht doch auch dieses Pflänzchen prachtvoll biergetränkt, weihrauchbenebelt und politiknotorisch. Berlin dürfte aber jetzt die Hauptstadt des Klüngels sein; dies auf der Ebene beschämenden Kungels. Ist Köln noch liebenswert, wenn es klüngelt, so zeigt sich in Berlin eine berlinerische Härte, die zwar nicht sachlicher aber unverschämter und brutaler ist.