Sonntag, 9. Juli 2006

Forza Italia

Morgen in aller Früh, also so gegen 15:00 h, bestell' ich bei meinem Lieblingsitaliener eine Weltmeisterpizza und bin gespannt, was ich da bekomme.

Trude Schuster

Trude-Schuster

Otto Schuster war ich mehrmals begegnet, öffnete er doch die Tür zum Csikós und begrüßte einen mit einem "Mein Haus gehört Ihnen" oder einer ähnlich übertriebenen Höflichkeit. Trude Schuster traf ich nur ein Mal. Sie war es, die Alles in der Hand hatte, Alles machte und für Alles sorgte. Otto Schuster machte die Honeurs.

Damals arbeitete ich in einem Garten Center im villengespickten, von erfolgreichen mittelalten Geschäftsleuten entdeckten Norden Düsseldorfs. Ein gut gebrauchter VW-Bully fuhr auf den Hof. Dem entstieg eine Frau, die dem Klischée einer Marktfrau oder Bäuerin entsprach. In den Händen trug sie zwei von diesen tonnenförmigen, großen Eimern, in denen Waschmittel für Großverbraucher gehandelt wurden.

Wir hatten eine besondere Blumenerde, die mehr Lehm und schweren Mutterboden enthielt als das übliche Torf-Kompostgemisch. Sie gab mir die beiden Tonnen und bat mich, diese mit der Erde zu füllen. Da passten etliche Schüppen rein. Als sie gestrichen voll waren, nahm ich sie an den Griffen und schleppte sie zu dem VW-Bully. Trude Schuster kam mir schnell entgegen, nahm mir mit den Worten: "Komm, lass mich machen. Das schaffst Du doch nicht." die beiden sauschweren Eimer aus den Händen, ging zum Bully und hievte sie hinein. Ich war schon ein wenig beleidigt. Schließlich war ich ein kräftiger Mann von 25 Jahren. Da lässt man sich so was und dann noch von einer Frau nicht gerne sagen.

Erst als ich die Quittung schrieb, erfuhr ich, dass ich Trude Schuster vor mir hatte, eine Frau, um die sich so manche Geschichte rankte und die Queen der altstädtischen Gastronomie darstellte, bewirtschafteten die Schusters, also Trude Schuster, doch inzwischen fünf Lokale in der Altstadt, jedes mit einem sehr eigenen Charakter und jeweils etwas noch nie Dagewesenes offerierend.

Das Bild oben habe ich aus dem oben besprochenen Buch geklaut. Ich hoffe, der Verlag sieht darüber hinweg. Es zeigt und symbolisiert die anpackende Art dieser phänomenalen Frau. Im Buch gibt es noch ein Bild von Trude Schuster in Netzstrümpfen. Sieht man in dem Buch daneben Bilder von Otto Schuster, dann kann man ermessen, welche divergierenden Charaktere dieses Paar ausmachte.

Bobby

Bobby

In meinen Jazzerinnerungen hatte ich das Bobby alias Kreuzherrenecke als Anlaufpunkt für die damalige Szene lobend erwähnt. Das Bobby mit seinen paar Quadratmetern, ein kleiner Farbspritzer in der Stadt, war in der Tat das Herz dessen, was man heute Underground nennen würde, ein Underground, in dem sich Leute trafen, von denen nicht wenige später Weltruhm erlangen sollten. Wie kam es dazu?

Da gab es Trude und Otto Schuster. Die Beiden hatten in den Trümmern der Stadt im Parterre des Hauses Altestadt 14 eine Bleibe gefunden und verkauften zur Straße hin Hühnersuppe. Es dauerte nicht lange, dass sie einige Straßen weiter ein Lokal aufmachten, dass sie nähren sollte, das Csikós. Ein Lokal mit ungarischem Touch, ein Faible von Otto Schuster. Um das Lokal sowohl mit Lokalcolorit sowie mit mehr als einem Hauch Künstlerlokal zu versehen und auch weil die Schusters mit vielen Künstlern befreundet waren, galten für Künstler der Kunstakademie halbe Preise. Bekannt ist die schärfste und gehaltvollste Gulaschsuppe, die je eine deutsche Zunge schmeckte und ein deutscher Rachen aushalten musste.

Das Csikós war sehr bald eines der frührenden und von anspruchsvollem, internationalem Publikum besuchtes Lokal. Die Künstler mit ihren halben Preisen, die auf Grund der Preise gerne kamen, nahmen den voll zahlenden Gästen die Plätze weg. Die Künsterl begannen zu stören. Es kam zu einem Gespräch mit den Schusters und den Künstlern. Letztere schlugen vor, dass anderswo von den Schusters ein Lokal in die Welt gesetzt werden sollte, in dem die Künstler sich treffen konnten und dass trotz angenehmer, lockerer Atmosphäre Preise aufweisen sollte, die sich die Künstler sich leisten konnten. 1954 war es soweit. Die Kreuzherrenecke hatte ihre Lizenz. Der Wirt war Bobby, so dass das Lokal intern nur noch Bobby genannt wurde.

Ein Lokal, dass in Düsseldorf mal eine Rolle gespielt hat und das es ziemlich unverändert immer noch gibt, ist sicher Nichts, was von allgemeinem Interesse ist. Trotzdem mache ich auf ein Buch aufmerksam, das nahezu völlig unbekannt ist und die ganze Geschichte des Bobbys erzählt. Das Buch im Format 30 x 24 cm hat 239 Seiten, ist auf gutem Papier gedruckt und ist durchnummeriert. Da haben sich 40 Autoren und viel Freunde zusammen getan und dieses äußerst kenntnisreiche und exzellent mit vielen Bildern versehene Buch möglich gemacht. Das Vorwort hat Günther Uecker geschrieben und man findet Bert Gerresheim, Anatol, Jörg Immendroff, Reiner Ruthenbeck, Flötchen Geldmacher, Alfred Schmela, Konrad Fischer, die Galeristen, Monika Schlichting, die Mutter von Ben und Meret Becker, die ganze Garde der ZERO-Künstler, Lore Lorentz und Ernst Hilbich aber auch viel Originale wie Olly, mit dem ich meine ersten Straßenmusikerfahrungen in Paris machte und noch viel, viel mehr.

Keine Angst, es geht nicht um Kunst. Es geht ums Leben. Das ist ein Buch, dass sich eigentlich nach außen wölben müsste, so prall ist es gefüllt. Doch ein starker Einband und Fadenheftung wissen das zu verhindern. Man kann es im Bobby oder aber im Buchhandel erwerben. Erschienen ist es im Emons Verlag ISBN 3-89705-274-1. Es im Bobby selbst zu kaufen, ist natürlich Kult, auch wenn das Bobby immer mal wieder zur Altherrenkneipe abzurutschen droht.

Salve!

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